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Schmierentheater: Kommunisten-Hatz im Hohen Hause

Umfrage offenbart medial inszeniertes Schmierentheater

UJN 23.01.2011


Nach unzähligen antikommunistischen Einlassungen in den Zeitungsfeuilletons, zig TV-Sendungen, sogar nach mehrfacher parlamentarischer Befassung im Berliner Abgeordnetenhaus, dem niedersächsischen Landtag und nicht zuletzt vergangenen Freitag im Bundestag, verwundert eine Umfrage des "Nachrichtenmagazins" Focus vom heutigen Sonntag dann doch. Lediglich ein Drittel der Deutschen spricht sich für den Rücktritt von Gesine Lötzsch als Parteivorsitzende der LINKEN aus, so die Emnid-Umfrage im Auftrag von Focus. 43 Prozent denken nicht, dass die Äußerungen von Gesine Lötzsch über die "Wege zum Kommunismus" hinlänglichen Anlass für einen Rücktritt bieten, im Osten sogar 56 Prozent der Befragten. Wenn man die veröffentlichte Meinung analysiert oder solche Debatten wie im Bundestag (Video) betrachtet, hätte man eigentlich etwas ganz anderes erwarten können. So klafft zwischen öffentlicher und medialer Darstellung auf der einen und der Wahrnehmung in der Bevölkerung auf der anderen Seite ganz offenbar eine große Lücke und entlarvt die politischen und medialen Kreuzzüge der vergangenen Wochen.

 


 

Die Umfrage verwundert einen auch eingedenk der Tatsache, dass DIE LINKE lediglich ein stabiles Wählerpotential von gut 10 Prozent hat und die Parteivorsitzenden der LINKEN nie sonderlich beliebt sind. Plötzlich findet die LINKEN-Politikerin Verteidiger in viel breiteren Kreisen der Bevölkerung, als man es eigentlich hätte erwarten können. Das kann im Grunde genommen nur damit erklärt werden, dass ganz offenkundig die Befragten das medial inszenierte antikommunistische Schmierentheater  der letzten Wochen durchschauen. Wenn sich zudem in Umfragen über 70 Prozent der Bevölkerung gegen den Kapitalismus aussprechen und sich als Anhänger einer sozialistischen Ordnung outen, wird klar, dass die Menschen angesichts von periodisch wiederkehrenden Wirtschaftskrisen, Währungschaos, imperialistischen Kriegen und den 30.000 Hungertoten, die der Kapitalismus täglich fordert, längst viel weiter sind, als die herrschende Politik von CDU bis GRÜNE suggeriert. Entlarvendes Détail: Als Ulrich Maurer davon sprach, die Auswüchse des Finanzkapitalismus regulieren zu wollen, brüllte der GRÜNE Abgeordnete Konstantin von Notz laut "Kommunismus" dazwischen. Gleichwohl, die Menschen lassen sich den Wunsch nach einer anderen Welt nicht mit platten Sprüchen im Stile McCarthys  nehmen und lassen es auch nicht zu, dass die Idee einer wirklichen, nicht nur formalen Gleichheit aller Menschen denunziert wird.

 

Die Umfrage stellt vor allem eine kräftige Klatsche für die Medien dar, allen voran für den Spiegel Online, der diesen unsäglichen Popanz aufgebaut hat. Immerhin: Es wird neuerdings wieder über Alternativen zum real existierenden Kapitalismus diskutiert und genau dies findet Zustimmung in der Bevölkerung. Wir stehen nicht am Ende der Geschichte, wie uns seit 1990 eingeredet wird, sondern am Beginn einer neuen Epoche. Wie man diese nennt und wie sie verfasst sein wird, ist offen und neuerdings wieder Gegenstand zahlreicher Diskurse.

 

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Uwe-Jürgen Ness | Texte zu Politik, Geschichte & Literatur